Pressemeldung

Quelle: Wirtschaftswoche vom 1 Juni 2001

Rhein-Zeitung: Komplette Tageszeitung im Internet

Die in Koblenz erscheinende Rhein-Zeitung stellt ihren Abonnenten von Donnerstag an die komplette Print-Ausgabe ins Internet. Es sei weltweit das erste Online-Angebot einer Zeitung, das der gedruckten Ausgabe in allen Bereichen entspreche, sagte Chefredakteur Martin Lohmann am Mittwoch bei der Präsentation des Projekts "e.paper" im Mainzer Gutenberg-Museum.

Die Abonnenten könnten alle Seiten der gedruckten Ausgabe im Layout-Format auf den Bildschirm rufen und die Artikel per Mausklick zum Lesen vergrößern. Die Seiten sollen nach Eingabe eines Kenntworts freigeschaltet werden. Die Rhein-Zeitung hat eine verkaufte Auflage von rund 240.000 Exemplaren.

Sobald die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) die Nutzung von "e.paper" als Zeitungsabonnement anerkenne, könnte auch lediglich die Online-Ausgabe der Rhein-Zeitung abonniert werden, kündigte Joachim Türk, Geschäftsführer der Online-Tochter des Mittelrhein-Verlages, RZ-Online, an.

"Erstmals geht eine Zeitung echt online", sagte Lohmann. Von dem Angebot verspreche er sich eine "noch direktere" Kommunikation mit den Lesern. Sie können sich per elektronischer Post an die Autoren wenden, deren E-Mail-Adresse unter den Artikeln eingeblendet wird. Die Zeitung wolle den Lesern der 18 Lokalausgaben die Möglichkeit geben, die Zeitung auch auf Reisen zu lesen, "e.paper" sei deshalb auch ein Instrument zur Sicherung der Marktposition. Außerdem wolle man auch Leser außerhalb des Verbreitungsgebiets im nördlichen Rheinland-Pfalz erreichen. Die Zeitung soll bis 6 Uhr morgens ins Internet gestellt werden.

Das neue Angebot sei auch ein Marketing-Instrument im Anzeigenmarkt, hieß es. Anzeigen sind ebenso abrufbar wie Fotos. Mit einem zusätzlichen Anzeigen-Entgelt könnten die Leser per Link auf die Internet-Seiten der Anzeigen-Kunden geführt werden.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wertete "e.paper" als ein "sehr interessantes Instrument zur Kundenbindung". Ein ähnliches Projekt habe nach BDZV-Kenntnissen bisher nur die "New York Times" angekündigt, sagte Multimediareferent Christoph Nogly.

Auch die weltweit größte Institution für Zeitungstechnik, die Organisation Ifra mit Sitz in Darmstadt, bezeichnete das Angebot als bedeutenden Schritt. "Wir sind bisher davon ausgegangen, dass man Zeitungen nicht komplett im Internet abbilden kann", sagte Ifra-Vertreter Klaus von Prümmer.

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