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Quelle: HANDELSBLATT vom 11. Juni 2001
Kleine Zeitungsrevolution
Richtige Revolutionen beginnen oft in der Provinz. Da, wo sie nicht direkt bemerkt werden, wo sie langsam gedeihen und wachsen können. In Koblenz, zum Beispiel. Dort präsentierte die örtliche "Rhein-Zeitung" gerade ihr "E-Paper", eine Zeitung im Netz. Im Gegensatz zu den Angeboten anderer Blätter und Magazine nehmen die Rheinland-Pfälzer den Begriff wörtlich: Der Nutzer sieht das Original-Layout seiner Zeitung vor sich, inklusive Bilder und Anzeigen. Per Mausklick lassen sich die Artikel vergrößern und lesen - ganz leicht, spielend einfach und erstaunlich schnell. "Diese Navigation versteht jeder", hofft Joachim Türk, Chef bei Kevag, dem Online-Dienstleister der "Rhein-Zeitung". Allerdings bekommen allein Abonnenten die digitale Zeitung zu sehen: Das Angebot ist nur über Passwort erreichbar.
Die ersten Reaktionen der Leser seien äußerst positiv, sagt Türk. Auch Ifra, die Forschungseinrichtung des Weltverbandes der Zeitungsverleger, zollt höchstes Lob: Die Koblenzer seien mit ihrer Idee absolute Trendführer. Bereits jetzt klopfen andere Blätter an - in der Hoffnung, die Software für sich adaptieren zu können.
Sie erkennen wohl auch den Sprengstoff hinter dem E-Paper. Wird das Konzept ein Erfolg, zeigt dies nur allzu deutlich, dass sich die grundlegende Wahrnehmung der Leser durch das Internet nicht verändert hat: Zuerst fällt der Blick auf Bilder, dann auf Überschriften, anschließend auf Bildunterzeilen, erst zum Schluss auf den Text - sagen Zeitungswissenschaftler. Aber im Netz gibt es kaum Bilder und selten eine Einordnung anhand der Überschriftengröße. Stattdessen werden Meldungen in immer gleicher Größe untereinander gehängt - meist lassen ausgedünnte Redaktionen auch nicht mehr zu als diesen automatisierten Prozess.
Begeistern sich nun auch die Leser für E-Paper, geraten Web-Designer und Multimedia-Agenturen ins Schwitzen: Sie dürfen dann nicht mehr mit all ihrer Kreativität Online-Layouts entwerfen und dafür viel Geld verlangen. Stattdessen ginge es nur noch um die technische Umsetzung der guten alten Tante Zeitung im Web. In der Tat wäre das eine kleine Revolution - und ihr Anstoß kam aus Koblenz.
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